Fachwelt

Was sagt die Fachwelt zum Ausbau von Regionalflughäfen?

1. Deutsche Bank Research am 3. November 2005 (PDF, 574 KB):

Regionalflughäfen fehlt kritische Größe zum Erfolg. Die kritische Größe zum kostendeckenden Flughafenbetrieb liegt bei 0,5 bis 2 Mio. Passagieren p.a. Keiner der 39 deutschen Regionalflughäfen erreicht die 2 Mio.-Grenze. Nur fünf unter ihnen kommen auf 500.000 Passagiere. 33 von ihnen haben weniger als 100.000 Passagiere. (…)
Regionalflughafenausbau verschlingt Subventionen. Öffentliche Eigentümer von Regionalflughäfen führen einen Subventionswettlauf, um Fluggesellschaften anzulocken. Damit fließen Steuermittel, trotz leerer öffentlicher Kassen, an z.T. ausländische Billigfluggesellschaften und an deren Kunden. Dies bedeutet eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber kostendeckenden Flughäfen.


Überkapazitäten bei Flughäfen. Der Neu- und Ausbau von Regionalflughäfen ist aus verkehrspolitischer Sicht nicht erforderlich, da in Deutschland bereits genügend Flughäfen existieren, von denen die wenigsten unter Engpässen leiden. Wichtiger wäre es, die bestehenden Engpässe bei stark frequentierten Flughäfen zu beseitigen. (…)
Privatfinanzierung führt zu mehr Effizienz. Eine Privatfinanzierung der Neu- und Ausbauprojekte schafft Anreize zu effizienteren Investitionen. Bestehende Flughäfen sollten zumindest privatwirtschaftlich betrieben werden, wobei ein angemessener Regulierungsrahmen erforderlich ist.


2. Deutsche Bank Research am 2. Juli 2015 (PDF, 446 KB):

Das gesamte Passagieraufkommen an den deutschen Regionalflughäfen sank von 2010 bis 2014 stetig. Im längerfristigen Vergleich lag es 2014 nur um knapp 5% über dem Niveau von 2005. Bei den größeren deutschen Flughäfen war im gleichen Zeitraum ein Zuwachs um 25,6% zu verzeichnen. 2014 entfielen auf alle Regionalflughäfen rd. 8% des Passagieraufkommens in Deutschland.
Das Angebot an Flugverbindungen ist an den meisten Regionalflughäfen nach wie vor klein. Es dominieren Ziele in die klassischen Urlaubsgebiete. Daher sind die erhofften positiven Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft sowie der verkehrswirtschaftliche Nutzen gering.


Mit wenigen Ausnahmen waren die Jahresergebnisse der Regionalflughäfen in den letzten rd. zehn Jahren negativ. So konnte 2013 keiner der hier betrachteten Airports einen Gewinn erzielen. In der Regel lag der Fehlbetrag (vor Verlustübernahme) pro Flughafen im ein- bis zweistelligen Millionenbereich. Die Hälfte der Regionalflughäfen hat seit 2005 noch nie einen Gewinn ausgewiesen.
Die Skepsis, die wir in einem Bericht von 2005 gegenüber Ausbauplänen an Regionalflughäfen geäußert haben, hat sich aus heutiger Sicht als begründet erwiesen. Beim Blick in die Zukunft bleiben wir skeptisch. Der Luftverkehr in Deutschland dürfte auch künftig vor allem an den großen Flughäfen wachsen, u.a. weil diese von den Fluggesellschaften bevorzugt werden und weil sie von der Zuwanderung in die Ballungszentren profitieren. Es spricht aber wenig dafür, dass das Passagieraufkommen an den untersuchten Regionalflughäfen insgesamt langfristig (stark) wächst. Der wirtschaftliche Druck auf die Eigentü mer der Flughäfen – in der Regel die öffentliche Hand – bleibt also hoch.


Die EU-Kommission hat 2014 „Leitlinien für staatliche Beihilfen für Flughäfen und Luftverkehrsgesellschaften“ veröffentlicht. Sie geben eine Orientierung, welche Beihilfen grundsätzlich erlaubt sind und welche sie kritisch sieht. Wenngleich die Leitlinien gewisse Interpretationsspielräume offenlassen, bedeuten sie doch eine hohe Hürde für die Finanzierung von Regionalflughäfen.
Zu Recht wird der Betrieb mehrerer unrentabler Flughäfen im selben Einzugsgebiet besonders negativ beurteilt. Insofern wächst auch von politischer Seite der Druck auf diese Airports. Die meisten Regionalflughäfen in Deutschland müssen in den nächsten Jahren ihre finanzielle Situation verbessern, damit sie langfristig bzw. dauerhaft einen Konflikt mit den EU-Leitlinien vermeiden können.


3. Handelsblatt Online vom 12.06.2015 über eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) (Auszüge):

„(…) Bisher konnten sich die Politiker vor Ort zumindest mit der Hoffnung trösten, dass es der regionalen Wirtschaft gut tut, wenn man einen Flughafen vor Ort hat – auch wenn dieser Jahr für Jahr mit ein paar Milliönchen subventioniert werden muss.
Doch eine neue Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) verweist nun auch diese Hoffnung ins Reich der Mythen: Demnach wird das regionale Wirtschaftswachstum nämlich nicht zusätzlich angeschoben, wenn es vor Ort einen ausgebauten Regionalflughafen gibt.


„Die Ergebnisse sind ernüchternd“, schreibt der Autor der Studie, Philipp Breidenbach. Es gebe schlichtweg keinerlei messbare Ausstrahlung auf die Region. Auch nicht bei der Zahl der Jobs. Für seine Untersuchung hat er 24 deutsche Landkreise, in denen es einen mittelgroßen Flughafen gibt, verglichen mit Regionen ohne Flughafen. (…)
Im Klartext heißt das: Schafft es ein Regionalflughafen nicht in die schwarzen Zahlen, ist das zugeschossene Geld verloren – auch gesamtwirtschaftlich gesehen. Von den Investitionskosten noch gar nicht zu sprechen. Die beliefen sich in Kassel auf mehr als eine Viertelmilliarde Euro.“